Austausch mit La Rochelle

Wir waren noch in der siebten Klasse, als Frau Kaiser uns von dem Austausch vorschwärmte, an dem sie mit einer ihrer Klassen teilgenommen hatten und (fast) alle von uns hofften innig, dass für unseren Jahrgang auch ein Frankreichaustausch stattfinden würde.

Bald erzählte uns Frau Kaiser, dass sie tatsächlich Kontakt mit einem Collège im Westen Frankreichs aufgenommen hatte! Diejenigen, die interessiert waren, bekamen schon bald Fragebögen um Hobbys, Eigenschaften und Allergien einzutragen. Wochen später kam dann der magische Moment: Frau Kaiser rief im Sportunterricht alle Interessierten in den Umkleideraum.

Wir wussten, dass es weniger französische als deutsche Schüler gab, die am Austausch teilnehmen wollten, deshalb war die Anspannung groß. Wen hatte das Los getroffen? Nervös rutschten wir auf den Bänken herum, kaum jemand konnte sich auf das konzentrieren, was Frau Kaiser einleitend erzählte, bis sie endlich den erlösenden Satz sagte: „Alle, die sich hier in der Umkleide befinden, kommen mit nach Frankreich!“

Ein Jubel brach aus, alle umarmten sich und waren voller Vorfreude (Diejenigen, die keinen Franzosen abbekommen hatten, waren an dem Tag krank). Als allmählich wieder Ruhe einkehrte, rief Frau Kaiser nacheinander alle auf, sagte den entsprechenden Austauschpartner und gab ihm einen Brief des Franzosen.

Nach der ersten großen Freude kam langsam Unsicherheit oder Gekicher auf: In den Briefen stellten sich manche Franzosen als emotional und gefühlsbetont vor, andere deuteten mehrmals daraufhin, dass sie sehr klein waren oder erzählten von ihren verstorbenen Hamstern.

Alle redeten beruhigend aufeinander ein. Natürlich freuten wir uns trotzdem auf unsere Franzosen. Einige hatten auch ihre MSN-Adressen voneinander, sodass sie ihre kleinen, gefühlsbetonten Austauschpartner gleich viel besser kennenlernen konnten.

Ein Chat-Gespräch verlief in etwa so:

Allemand: Salut! Ca va?   (Hallo! Wie geht’s?)
Francais: Bof… et toi?   (Naja… und dir?)
Allemand: Très bien   (sehr gut)
Francais: Tu es sympa   (Du  bist nett)
Allemand: Oh merci, toi aussi.   (Oh danke, du auch.)

Im weiteren Gespräch erfuhr man, dass die Franzosen nun schon ganze drei Monate (bzw. sieben Monate oder zwei Jahre, es war nicht ganz klar) Deutsch lernten, nicht wussten, was eine Aula ist und wann sie Schulschluss hatten.

Es gab auch Schüler, die bis zur Ankunft der Franzosen keinen Kontakt mit ihnen hatten, weil keine Telefonnummern oder MSN-Adressen auf dem Brief standen bzw. nicht zu entziffern waren. Weil sie so auch keine Fotos von den Franzosen gesehen hatten, war es eine pure Überraschung, als sie ihnen am U-Bahnhof begegneten, aber das ist ein anderer Artikel…

 

Von Carlotta Hübener 1.12.2008 Klasse 9b