2014 Buckhorn hilft Buckhorn

 

Berufsorientierungstag in Buckhorn

Na ja, ich war skeptisch – was sollte ich schon beitragen? Germanistin, Journalistin, Autorin, Editorin, Ausstellungsmacherin, Mitarbeiterin einer literarischen Stiftung – bin ich alles, aber das meiste davon nur ein bisschen. Dafür allerdings schon länger (Abi 1980). Kann man jemandem im Moment zu diesem Berufsfeld raten? Wohl kaum. Der Kultur- und Mediensektor ist in einem starken Wandel begriffen, dauernd fallen Jobs weg. Damals hätte man allerdings auch niemandem dazu geraten, aber etwas hat sich doch geändert: Über die Zukunft des gedruckten Buches weiß derzeit niemand Verläßliches, aber die Einzelauflagen sinken. Zeitungen und Zeitschriften müssen kämpfen, Anzeigenerlöse fallen, und erfolgreiche Bezahlmodelle für sogenannten »Content« im Internet gibt es bisher meines Wissens nicht. Steuern wir in eine Welt voller Hobbyreporter und Feierabendautoren?

Zu meiner Überraschung interessieren sich die meisten meiner Buckhorner »Klientinnen« für Schriftstellerei. Mein Standardhinweis, dass man von diesem Beruf allein in der Regel nicht leben kann, klingt wohl ein bisschen zu prosaisch – das wollen sie gar nicht hören. Das hätte ich als angehende Schreiberin auch nicht hören wollen. Vernünftige Tipps zur Schriftsteller-Ausbildung kann ich freilich kaum geben; es ist einer der letzten komplett unregulierten Berufe. Man schreibt, weil man muss, legt einfach los, und bis man endlich was zum Druck bringt, hat man in der Regel schon eine Menge für den Papierkorb produziert. Ein Musiker stellt sich ja auch nicht mit seinen ersten Tonleitern in die Royal Albert Hall.

Ja, man kann Schriftstellerei in Deutschland auch studieren, und nein, ich würde immer raten, lieber (oder jedenfalls zusätzlich) eine andere Ausbildung zu machen oder ein anderes Fach zu studieren. Wer schreiben will, tut es auch als Rechtsanwalt oder Systemadministrator, und weiß dann vielleicht was über die Welt. Oder jedenfalls über Systemadministratoren. Das könnte die Bücher interessanter werden lassen, die ich am Ende lese.

Leider liegt mein Studium zu lange zurück, damit ich gute Tipps zu Literaturwissenschaft und Germanistik geben kann. Zu viele Reformen sind seitdem über die Unis hinweggerollt, die Anforderungen haben sich geändert. Hier wären jüngere Absolventen oder Studenten den Schülerinnen sicher eine größere Hilfe. Die ebenfalls auftauchende Frage »Was IST überhaupt Germanistik?« kann ich allerdings gerade noch beantworten.

An den anderen Beratungstischen in der Pausenhalle und der Aula sitzen Architekten, Innenarchitekten, eine Grundschullehrerin, ein Holzwirt, ein Biobauer … und lauter andere richtige Berufe. Irgendwie ahne ich, dass die solidere Informationen vermitteln können als ich. Ich glaube, meine Hauptqualifikation besteht an diesem Tag darin, überhaupt vorhanden zu sein – schaut her, man kann wirklich Bücher schreiben, und sie werden sogar manchmal gedruckt. Gottseidank habe ich das neueste als Beweis dabei.

Mein drittliebstes Erlebnis an diesem Tag: Eine Schülerin, die ratlos an meinen Tisch sank, und fragte: »Was machen Sie nochmal? Ich habe alles vergessen.« Als ich es ihr sagte, und fragte, was davon sie interessieren könnte, antwortete sie: »Weiß ich nicht.« Ich: »Vielleicht möchten Sie erstmal ein Jahr ins Ausland?« Sie: »Da war ich schon.« Ach so.

Mein zweitliebstes Erlebnis an diesem Tag: Eine Schülerin, die rief: »Endlich eine Schriftstellerin, sonst kommen hier immer nur Juristen und so!«

Mein liebstes Erlebnis: Friedrich-Wilhelm Fegebank. Er kann meine Bücher nicht leiden und tut nicht mal so als ob, aber das macht nichts. Dafür kann ich nicht Schach spielen. Meine Kurse in den zwei Jahren vorm Abi bei ihm (ich habe nachgesehen): »Die französische Revolution« / »Die russische Revolution« / »Revolutionstheorie«. Bitte passen Sie auf, der Mann ist ein gefährlicher Umstürzler.

Am Ende eines Vormittages voll interessanter Begegnungen fällt mir wieder ein, dass meine journalistische Karriere in Buckhorn begann, mit einem satirischen Artikel in der Schülerzeitung über Dreharbeiten an der Schule. In dem Artikel war zu lesen, dass Fritz Fegebank seine Aktentasche mehrmals durchs Bild trug. So schließt sich der Kreis.

Susanne Fischer

 

 

 

 

 

 




Vielen Dank allen Referentinnen und Referenten für ihre Unterstützung!

Vielen Dank auch dem Ehemaligenverein und insbesondere Herrn Dr. Rinklake für die großartige Organisation!

„Buckhorn hilft Buckhorn 2014“

Am Samstag, den 15. November, fand das diesjährige „Buckhorn hilft Buckhorn“ statt. Bereits zum zweiten Mal, nach 2012, hatten Schüler das freiwillige Angebot, sich in Einzelgesprächen mit ehemaligen Buckhornern über deren Job zu unterhalten. Über 70 Referenten sorgten für ein vielfältiges Themenangebot, sodass circa 160 Schüler das freiwillige Angebot annahmen und zwischen einem und fünf zwanzigminütige Gespräche führten.

Im Voraus der Veranstaltung bekam jeder Schüler eine Liste mit allen Angeboten und konnten sich so seine Gespräche selber wählen. Nachdem die Wahlen von Herrn Dr. Rinklake ausgewertet wurden, wurden dann genauere Informationen ausgehängt. So wusste jeder, Schüler und Referenten, wann er wo zu sein hatte.

Für die Gespräche wurden in der Aula und in der Paulsenhalle Tische aufgebaut. Der Gesprächspegel hat bewiesen, dass jeder sein Gespräch mit großem Interesse führte.

Meiner Meinung nach war die Veranstaltung einer voller Erfolg. Ob Landwirtschaft, Wirtschaft, Politikwissenschaften, oder IT-Branche, für jeden war etwas dabei. Und auch die Referenten haben sich gefreut, wieder an ihre alte Schule zu kommen und die nächste Buckhorner Generation bei ihrer Berufswahl zu unterstützen. Immer wieder kamen auch Fragen. „Seit wann gibt es die Aula?“ „Unterrichtet Herr Fegebank immer noch?“ kein Thema wurde ausgelassen. Auch darüber habe ich mich gefreut, denn es hat mir gezeigt, dass auch nach dem Abitur Buckhorn positiv in Erinnerung bleibt.

Bei der Berufsberatung haben mir die Einzelgespräche wirklich geholfen. Der ein oder andere Studiengang fällt für mich jetzt weg und auch das ist eine wichtige Erkenntnis. Bei der Fülle an Möglichkeiten ist das Ausschlussprinzip manchmal die letzte Option. Die ein oder andere Überlegung hat sich aber auch bestätigt und dazu motiviert, sich mit bestimmten Berufen stärker zu befassen.

„Buckhorn hilft Buckhorn“ hat mir weitergeholfen. Ich kann jetzt besser einschätzen, welcher meiner favorisierten Berufe der beste für mich ist. Hoffentlich haben auch alle anderen Anwesenden ähnliche Erfahrungen mitgenommen. Allen, die das Angebot nicht wahrgenommen haben und lieber ausgeschlafen haben, kann ich nur sagen, dass sie eine große Chance verpasst haben und jetzt noch mehr Zeit investieren sollten, um sich zu informieren.

Im Namen aller beteiligten Schüler bedanken ich mich bei allen freiwilligen Referenten und vor allem bei Herrn Dr. Rinklake, der das ganze organisiert hat.

„Buckhorn hilft Buckhorn 2016“ wird bestimmt ein noch größerer Erfolg. Liebe 9. und 10. Klässler, nutzt diese Chance.

Ich bin schon gespannt, welche Berufe meine Mitschüler in 10 Jahren ausfüllen. Diese Veranstaltung wird ihren Teil zu der Berufswahl beigetragen haben und vielleicht werde ich dann als Referent dabei sein.

 

Lennart Ladewig, SI