2014 Bundeswettbewerb

 

Tom Boesche erlangt einen hervorragenden fünften Platz im Bundeswettbewerb philosophischer Essay in Münster

Im diesjährigen Bundeswettbewerb konnte Tom sich wiederum gegen weitere 21 Teilnehmer den fünften Platz erschreiben!
Er wählte ein wissenschaftstheoretisches Thema zur Methodik der Wissenschaft. Paul Feyerabend, der das geflügelte Wort vom "anything goes" in den Wissenschaften prägte, äußerte:
  „Die Wissenschaft ist wesentlich ein anarchistisches Unternehmen: der theoretische Anarchismus ist menschenfreundlicher und eher geeignet, zum Fortschritt anzuregen, als „Gesetz- und- Ordnungs“-` Konzeptionen."
Tom beschreibt, wie er damit umging:
"Ich habe die grundsätzliche Aussage zum Beispiel mit Mills vier Argumenten für die (uneingeschränkte) freie Meinungsäußerung unterstützt. Dies gründete auf der Prämisse, dass
es bei Wissenschaft und technischen Fortschritt hauptsächlich um die Erarbeitung und den Austausch von Ideen geht und dass, während das Erdenken von Theorien an sich nicht wirklich durch Gesetze eingeschränkt werden kann, die möglichen Einschränkungen, welche eine anarchistische Wissenschaft überwinden müsste, ob Gesetz oder gesellschaftliches Tabu, den Austausch von Ideen betreffen.
 Auch habe ich gegen Einwände, wie die durch die Gesetzlosigkeit des Diskurses entstehende Möglichkeit der uneingeschränkte Korruption oder Beeinflussung durch Rhetorik argumentiert, da es in niemandes langfristigen Interesse ist den wissenschaftlichen Diskurs aufzuhalten, wie man auch an Mills Argumenten erkennt, welche im Grunde erklären, wieso Pseudo-Wissenschaften - also, nach Lakatos, Theorien, welche keine neuartige Voraussagekraft haben - immer eventuell von wirklich wissenschaftlichen ersetzt werden und wieso dies im Interesse jedes Einzelnen ist.
 Zudem habe ich betont, dass sich der Anarchismus auf die theoretische Ebene beschränken muss. Die liberalen Grundfreiheiten und – rechte des Individuums müssen auch von einer anarchistischen Wissenschaft bewahrt werden.
Anderenfalls wäre es wohl kaum begründbar , wieso eine anarchistische Wissenschaft menschenfreundlich sein sollte.
Denn dann wären zum Beispiel, gefährliche und schmerzhafte Experimente an Menschen erlaubt, und dies könnte sicherlich nicht als "humanitarian"
(die gewählte englische Übersetzung) bezeichnet werden.
Diese Grundvoraussetzung schließt auch Gewaltandrohung und –ausübung als mögliche den Diskurs verfälschende Einflüsse aus - ein schöner Nebeneffekt.
Mein Essay hat sich also weniger spezifisch mit der Wissenschaft, sondern vielmehr mit den Vorteilen und Argumenten für eine freiheitliche - nicht unbedingt anarchistische, vielleicht jedoch libertäre – Gesellschaft, beschäftigt.
Die Wissenschaft und die Möglichkeit der Meinungsäußerung standen hierbei im Fokus. Ich habe, in klassisch liberaler Manier, gegen jegliche Einschränkung dieser nicht-physischen Sphären argumentiert und insofern eine Verbindung zwischen Feyerabends "theoretischen Anarchismus"und dem klassischen Liberalismus Mills aufgezeigt."

Der Fachbereich Philosophie gratuliert Tom herzlichst und wünscht ihm für seine (philosophische) Zukunft alles Gute!

Lw, Bö, Stz, Sr, Fk