Planspiel Afghanistan

 

Planspiel Geschichtsprofil S4 (Mw)

Seit 2001 beschäftigt ein Thema mehr als alle anderen die Medien: Der Krieg in Afghanistan. Ob es sich um Koran-Verbrennungen, praktiziert von US-Soldaten, oder um die „Frühjahrsoffensive“ der Taliban handelt, allein im Jahr 2012 gab es unzählige Zeitungsartikel und Nachrichtenbeiträge über die Lage in Afghanistan. Auch wenn mit Ende 2014 mittlerweile ein mehr oder weniger festes Abzugsdatum für die ISAF-Truppen feststeht, ist die Situation am Hindukusch aktueller denn je.

Aus diesem Grund hat sich das diesjährige Geschichtsprofil S4 in seinen letzten Schulwochen mit der Vorbereitung eines Planspiels, mit dem Ziel Lösungsvorschläge für den Afghanistankonflikt zu finden, beschäftigt. Zum einen wurde im Unterricht die Geschichte Afghanistans thematisiert und zum anderen haben wir Kleingruppen gebildet, denen jeweils eine Partei zugeordnet wurde, die durch den internationalen Einsatz in Afghanistan beeinflusst wird.

'Partei' ist dabei als ein Sammelbegriff für sowohl Länderregierungen, wie die Bundesrepublik Deutschland, die Vereinigten Staaten, die Nachbarstaaten Pakistan und Iran und die jetzige Regierung Afghanistans unter Hamid Karzai als auch nichtstaatliche Institutionen wie das Frauennetzwerk RAWA und der Politiker Abdullah Abdullah, der bei der letzten Präsidentschaftswahl als größter Konkurrent für Karzai galt, zu verstehen. Außerdem stellten auch zwei Schüler die Vertreter der Taliban, nach eigenen Angaben eine traditionell islamisch-ausgerichtete Befreiungsgemeinschaft, für das Planspiel dar.

Nachdem die einzelnen Kleingruppen das gesamte 4. Semester Zeit hatten sich mit den Interessen ihrer Partei im Afghanistankonflikt auseinanderzusetzen, fand am 23.April 2012 das Planspiel statt. Unter der Leitung der Vereinten Nationen, die von drei Schülern vertreten wurde, die die gesamte Debatte strukturierten, leiteten und zu Beginn eine Einleitungsrede über die Geschichte bis hin zur aktuellen Lage Afghanistans hielten, musste jede Gruppe eine 10-minütige Stellungsnahme zu den drei Themenbereichen Politik, Wirtschaft und Soziales äußern.

Durch die einzelnen Stellungsnahmen und die darauffolgende Diskussion kristallisierten sich die Grundprobleme, vor denen man am Hindukusch steht, heraus. Armut, Korruption, besonders innerhalb der afghanischen Regierung und das Fehlen eines Bildungs- und Sozialwesen sind Missstände, die verbessert werden müssen.

Unabhängige Beobachter der Diskussion waren während des gesamten Planspiels zwei Vertreter der deutschen Presse, die ab und zu ihre Einschätzungen formulierten, um beispielsweise zu kurz gekommene Themen in den Vordergrund zu rücken.

Als die Grundprobleme feststanden, folgte die Lösungsdebatte, die zunächst wieder mit den Vorschlägen der einzelnen Gruppen begann und dann eine Diskussion über die zu treffenden Maßnahmen hervorrief. Insbesondere stand die Frage im Mittelpunkt, wie freie und demokratische Wahlen gewährleistet werden können und ob die Taliban sich als legale Partei aufstellen lassen darf.

Bedenken des Westen standen gegenüber einer nicht kompromissbereiten Taliban, doch die Vereinten Nationen gaben ihr Bestes, um alle Gruppen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. So entschied am Ende eine Abstimmung aller Gruppen, dass es in jedem Fall freie und demokratische Wahlen geben muss, entweder sofort oder nachdem die Amtszeit von Karzai geendet ist. Eine knappe Mehrheit stimmte für die Teilnahme der Taliban an der Wahl, um demokratische Wahlen zu gewährleisten. Ein heikles Thema war zudem die Akzeptanz für die gleichen Rechte der Frau in Afghanistan, bei dem sich die Teilnehmer des Planspiels auf keine Entscheidung einigen konnten.

Letztendlich war der Vormittag am 23.April 2012 für alle Beteiligten ein aufregender Abschluss einer spannenden zweijährigen Profilzeit. Das Planspiel bot noch einmal die Möglichkeit all das Gelernte praktisch anzuwenden und sich intensiv mit einem brandaktuellem Thema auseinanderzusetzen. Wir hoffen, dass sich auf der internationalen Ebene trotz aller Differenzen bald auch eine Lösung zwischen den einzelnen Parteien ergibt, sodass der endlos-wirkende Afghanistankonflikt irgendwann ein friedliches und zukunftsorientiertes Ende findet.

Julia Schöngart (Abi 2012)