2010 Gespräch mit Schulsenatorin Christa Goetsch

 

Klartext – Jugendliche Fragen nach

Man sieht es immer wieder in den Nachrichten: Da steht irgendein Politiker vor der Kamera und redet in eines der dutzend Mikrofone, die ihm ins Gesicht gehalten werden. Doch anstatt auf die Frage des Reporters zu antworten, weicht er aus. Dabei redet er solange um den heißen Brei herum bis keiner mehr weiß, wie die Frage eigentlich lautete. Kein Wunder also, dass man als Zuschauer keine Lust mehr hat, sich mit Politik auseinander zu setzen.

Die Bekämpfung eben dieser Politikverdrossenheit hat sich die Körber-Stiftung zur Aufgabe gemacht. Mit politischen Programmen und Veranstaltungen fördert die Stiftung die politische Meinungsbildung. Das Format „Klartext – Jugendliche fragen nach“, welches vor zwei Jahren ins Leben gerufen wurde, richtet sich an politikinteressierte und medienkompetente Oberstufenschüler aus Hamburg. Im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung, auf die die Schüler von Profis sowohl inhaltlich als auch methodisch vorbereitet werden, bietet sich ihnen die Gelegenheit, einen echten Politiker zu einem aktuellen Thema zu interviewen. Das Gespräch wird dann im Fernsehen auf dem Sender Tide TV übertragen.

Die letzte öffentliche Gesprächsrunde widmete sich der Hamburger Schulreform. Als Gast war die Hamburger Bildungssenatorin, Christa Goetsch, eingeladen. Doch bis zu dieser Veranstaltung am 22. Juni bedurfte es einer langen Zeit der Vorbereitung.

Das Einführungsseminar, an dem alle Jugendlichen teilnahmen, fand im Forum der Stiftung in der Hamburger Hafen City statt. Es wurde von Studenten der Henri-Nannen-Journalistenschule geleitet. Gemeinsam sammelten wir Informationen über die Schulreform und hörten uns die Vorträge der verschiedenen Referenten an. Bei der nachfolgenden Debatte stellten wir fest, dass auch unter uns Jugendlichen alle Meinungen vertreten waren: Manche befürworteten die Schulreform - manche nicht. Einige hatten sich immer noch nicht entschieden.

Das  nächste Wochenende diente der methodischen Einweisung. Wir teilten uns in zwei Gruppen auf: die Film- und  die Interviewgruppe. Die Filmgruppe schnappte sich Kamera und Mikrofon und zog los, um die Hamburger nach ihrer Meinung zur Schulreform zu befragen. Unter der Anleitung von Wolfram Bortfeldt, Fernsehjournalist vom Sender Tide TV, drehten sie zwei kurze Filme, die später bei der Veranstaltung gezeigt wurden.

Die Interviewgruppe erhielt eine Schulung im Bereich der Rhetorik, welche von dem Moderator und Medientrainer Andreas Bormann geleitet wurde, teil. Wir lernten die Tricks der Politiker kennen und erfuhren, wie man ihnen die Informationen entlocken konnte, die man brauchte. Zur Übung haben wir uns gegenseitig interviewt. Danach entwickelten wir die Fragen für das Interview mit Christa Goetsch.

Am Tag des Podiumsgespräches waren alle ein bisschen aufgeregt. Doch wir waren gut vorbereitet:  Interviewkärtchen waren geschrieben und Abläufe einstudiert. Bevor der öffentliche Teil der Veranstaltung begann, hatten wir noch die Gelegenheit, Frau Goetsch die Hand zu schütteln und ein Gruppenfoto mit ihr zu machen. Sie machte einen freundlichen wenn auch etwas gestressten Eindruck.

Unsere Moderatoren eröffneten die Veranstaltung und nach ein paar Worten des Vorstands ging es los. In der ersten Gesprächsrunde befragten wir Christa Goetsch zu ihrer eigenen Person. Wie erwartet begann sie aber sofort die Vorteile ihrer Schulreform zu erläutern und von der Frage abzulenken. Zum Glück hatten wir vorher gelernt, was in solch einer Situation zu tun ist. Freundlich aber bestimmt haben wir sie unterbrochen und die Frage noch einmal gestellt. Die Gesprächsrunden zu den Inhalten der Schulreform liefen reibungslos und auch die Filme waren gut gelungen. Am Ende der Veranstaltung wussten wir also alle etwas mehr über die Schulreform.

Der Abend hat gezeigt, wie viel Spaß es machen kann, sich mit Politik zu beschäftigen. Wir alle haben viel gelernt – sowohl was die Schulreform als auch allgemeine journalistische Kompetenzen betrifft. Und auch wenn wir nun nicht alle Politiker und Journalisten werden wollen, war es eine tolle Erfahrung für alle von uns.                                      Lisa Eißfeldt, SIII

 

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